SS 26
BACHELOR
Bachelorarbeit: Blue Banana 071
Das Studio ist Teil einer mehrsemestrigen Reihe, die sich mit verschiedenen Städten in einer Region befasst, die seit Jahrzehnten als wirtschaftliches Rückgrat Europas gilt: die sogenannte Blaue Banane. Einst Kern der Industrialisierung, Produktion und des Handels, kämpft die Region entlang des Rheins darum, ihre zentrale Rolle in Europa zu behalten, während sie nach neuen Formen der Wertschöpfung sucht – wirtschaftlich, sozial und räumlich.
Dieses Semester konzentriert sich auf Charleroi. Die Stadt, einst Zentrum der belgischen Kohle- und Stahlindustrie, verlor mit dem Niedergang der Schwerindustrie ihre wirtschaftliche Grundlage. Zurück blieben ausgedehnte Industriebrachen, Brachflächen und Leerstellen im Stadtgefüge.
Die Fülle an leerstehenden Gebäuden, ungenutzten Grundstücken und Zwischenräumen ist zu einem prägenden Merkmal Charlerois geworden und paradoxerweise auch zu einem seiner wichtigsten Vorteile. Im Gegensatz zum nahe gelegenen Brüssel, wo die begrenzte Verfügbarkeit von Grundstücken zu hohen Grundstückspreisen und wirtschaftlichem Druck führt, bietet Charleroi innerhalb derselben Metropolregion räumliche Fülle. In Charleroi ist Leere gleichzeitig ein strategischer Überschuss und eine urbane Herausforderung. Den Einwohnern bietet sie räumliche Freiheit. Von den Architekten verlangt sie eine Verlagerung des Fokus weg von der Gestaltung des architektonischen Objekts hin zur Gestaltung der Leere.
Auf einem Grundstück direkt neben dem Bahnhof von Charleroi – einer strategisch günstigen Lage für Pendler aus Brüssel – hat das Studio die Aufgabe, einen Komplex aus Ateliers, Werkstätten und Veranstaltungsräumen für Künstler und andere im Kulturbereich tätige Personen zu entwerfen. Er bietet reichlich Platz außerhalb der üblichen Mechanismen der Kommerzialisierung von vermietbaren Flächen. Vor dem Entwurf des eigentlichen Gebäudes werden die Studierenden die städtischen Leerstellen entwickeln.
Regeltermin: Mi-Do, 14:00-18:00 Uhr, Geb. 20.40
1. Treffen: 02.04.2026, 14:00 Uhr, Studio Geb. 20.40
Zwischenkritik: 29.04.2026
Pflichtexkursion: Charleroi, 24.04.2026 - 26.04.2026
Abgabe/Präsentation: 02.07.2026
Seminarwoche: Archival Bastards
Das Seminar bietet die Möglichkeit, in den reichen Fundus architektonischen Wissens am SAAI einzutauchen und dieses als Inspiration für die eigene Entwurfsarbeit nutzbar zu machen. Anstatt den üblichen Klassifikationssilos (nach Autor, Datum oder Typ) zu folgen, verfolgt das Seminar den Ansatz, Archivmaterial zusammenzuführen, das ursprünglich nicht aufeinandertreffen sollte.
Im Fokus stehen Einfamilienhaustypologien: Sie arbeiten mit einer Auswahl vorab ausgewählter Schnittzeichnungen von Projekten unterschiedlicher Architekten und Epochen. Mithilfe verschiedener Strategien visueller Assoziation – wie exquisite corps, Palimpsest oder Cut-up – kombinieren Sie zwei dieser scheinbar unverwandten Zeichnungen zu Ihrem eigenen architektonischen „Single-Family-Bastard“.
Durch diesen Prozess der „Bastardisierung“ erforscht das Seminar eine Entwurfsmethodik, die auf dem zufälligen Zusammentreffen architektonischer Gegensätze basiert. Das Ergebnis ist eine Serie von drei operativen Schnittlinienzeichnungen, von denen jede einen spezifischen Ansatz der visuellen Assoziation verfolgt.
Werden Ihre Bastards architektonische Kompromisse darstellen? Lassen sie sich als Synthese lesen? Oder verkörpern sie einen unauflösbaren Konflikt zwischen den beiden Quellen?
Erstes Treffen: 26.05.2026, 10:00 Uhr, Raum wird noch bekannt gegeben
Bewertungen: werden noch bekanntgegeben
Abgabe: 29.05.2026, 12:00 Uhr
Teilnehmerzahl: max. 20 Studierende
Sprache: Englisch / German
TERMINE:
Di, 26.05.2026 10:00 - 18:00 Uhr
Mi, 27.05.2026 10:00 - 18:00 Uhr
Do, 28.05.2026 10:00 - 18:00 Uhr
Fr, 29.05.2026 10:00 - 12:00 Uhr
MASTER
Studio: Der Turm und der Pavillon
Vom Atelier-System der Académie des Beaux-Arts über das Bauhaus und seine umfassende Vision von Kunst und Handwerk bis hin zu den pädagogischen Experimenten nach 1968 haben sich Architekturschulen immer wieder neu definiert. Einst hierarchisch und autoritär geprägt, öffneten sie sich allmählich Kontexten, die von Soziologie, Politik, Wirtschaft und Ökologie beeinflusst waren. Aus Wissensvermittlung wurde Austausch. Der Schreibtisch des Meisters wandelte sich zum gemeinsamen Tisch.
Die räumliche Organisation einer Schule ist niemals neutral. Sie produziert Wissen, prägt Positionen und strukturiert Begegnungen. Ateliers, Seminarräume und Bibliotheken sind nicht bloße Behälter; sie bieten Raum für Debatte und Zusammenarbeit. Pädagogik und Raum beeinflussen sich gegenseitig.
Da unsere derzeitigen Gebäude umfassend saniert werden müssen, stehen das Hochhaus und der Pavillon, die lange Zeit von der Fakultät für Physik genutzt wurden, bald zur Verfügung. Ein Umzug der Architekturschule dorthin wäre mehr als nur ein Adresswechsel. Er würde eine radikale Veränderung des räumlichen Rahmens unserer Lehre und Forschung bedeuten.
Unsere jetzigen Gebäude, auf einem Sockel errichtet, sind introvertiert und auf einen Innenhof ausgerichtet – großzügig und doch starr, auf dem Campus fast unsichtbar. Der ehemalige Physikkomplex bildet einen Kontrapunkt: ein offener Pavillon, der sich mit seiner Umgebung verbindet, und ein Turm, dessen Skelettstruktur flexible Geschossflächen verspricht.
Pavillon und Turm erzeugen eine produktive Spannung. Der eine weitet sich aus und vermittelt; der andere verdichtet und fokussiert. Gemeinsam definieren sie Nähe, Sichtbarkeit und Zirkulation neu und eröffnen neue Formen der Begegnung und Zusammenarbeit. Wird diese Spannung zum Rahmen unserer Hochschule? Von introvertiert zu extrovertiert, von verborgen zu sichtbar, von starr zu anpassungsfähig: ein Wandel in der Raumlogik – und in der Architekturausbildung.
Die begleitende „Vertiefung“ kontextualisiert diesen Wandel historisch und typologisch und untersucht, wie architektonischer Raum die Pädagogik prägt und umgekehrt. Das Studio verwandelt die ehemaligen Physikgebäude in einen neuen Rahmen für die Architekturausbildung – und wird so zu einem Selbstexperiment für Studierende und Lehrende gleichermaßen.
Regeltermin: Jeden Donnerstag
1. Treffen: Do., 23.04.26, 14:00 Uhr
Abgabe/Prüfung: Do., 06.08.26
Abschlusskritik: Wird noch bekannt gegeben
Teilnehmerzahl: max. 15 Studierende
Sprache: Englisch
Seminar und Übung: ANATOMIE EINER SCHULE: Raum, Pädagogik, Genealogie
Von der Académie Royale bis zu den Experimenten nach 1968 haben sich Architekturschulen immer wieder neu definiert – räumlich, intellektuell und experimentell.
Vom klassischen Atelier der Académie des Beaux-Arts über das spezialisierte Bauhaus bis hin zu den offenen Feldern von Delft: Die räumliche Organisation einer Schule ist niemals neutral.
Pädagogik und Raum beeinflussen sich gegenseitig; sie strukturieren Begegnungen und bieten Raum für Debatten. Von Weinbrenner bis Hübsch in Karlsruhe, von Ungers bis Koolhaas in Cornell, von Zenghelis bis Hadid in London: Schulen prägen Positionen und beherbergen vielfältige Genealogien.
Unser Seminar ergänzt das Masterstudio und lädt Studierende ein, eine bestimmte Schule zu analysieren und tief in das Wesen einer Architekturschule einzutauchen – in das, was sie war, ist und sein könnte.
Es zeichnet historische und typologische Transformationen nach, kartiert Genealogien und das Zusammenspiel von Raum und Lehre und generiert Erkenntnisse, die in das Studio einfließen und in einem Magazin zusammengefasst werden.
Erstes Treffen: 29.04.26
Regeltermin: 11:30 - 13:00 Uhr
Teilnehmerzahl: max 15 Studierende
Abgabe : 04.08.26, digital
Seminarwoche: Archival Bastards
Das Seminar bietet die Möglichkeit, in den reichen Fundus architektonischen Wissens am SAAI einzutauchen und dieses als Inspiration für die eigene Entwurfsarbeit nutzbar zu machen. Anstatt den üblichen Klassifikationssilos (nach Autor, Datum oder Typ) zu folgen, verfolgt das Seminar den Ansatz, Archivmaterial zusammenzuführen, das ursprünglich nicht aufeinandertreffen sollte.
Im Fokus stehen Einfamilienhaustypologien: Sie arbeiten mit einer Auswahl vorab ausgewählter Schnittzeichnungen von Projekten unterschiedlicher Architekten und Epochen. Mithilfe verschiedener Strategien visueller Assoziation – wie exquisite corps, Palimpsest oder Cut-up – kombinieren Sie zwei dieser scheinbar unverwandten Zeichnungen zu Ihrem eigenen architektonischen „Single-Family-Bastard“.
Durch diesen Prozess der „Bastardisierung“ erforscht das Seminar eine Entwurfsmethodik, die auf dem zufälligen Zusammentreffen architektonischer Gegensätze basiert. Das Ergebnis ist eine Serie von drei operativen Schnittlinienzeichnungen, von denen jede einen spezifischen Ansatz der visuellen Assoziation verfolgt.
Werden Ihre Bastards architektonische Kompromisse darstellen? Lassen sie sich als Synthese lesen? Oder verkörpern sie einen unauflösbaren Konflikt zwischen den beiden Quellen?
Erstes Treffen: 26.05.2026, 10:00 Uhr, Raum wird noch bekannt gegeben
Bewertungen: werden noch bekanntgegeben
Abgabe: 29.05.2026, 12:00 Uhr
Teilnehmerzahl: max. 20 Studierende
Sprache: Englisch / German
TERMINE:
Di, 26.05.2026 10:00 - 18:00 Uhr
Mi, 27.05.2026 10:00 - 18:00 Uhr
Do, 28.05.2026 10:00 - 18:00 Uhr
Fr, 29.05.2026 10:00 - 12:00 Uhr
Stegreif: (Inhabiting) Unplanned plans
Im Rahmen des Forschungsprojektes Typologische Resilienz untersuchen wir das Potenzial der Umwandlung von leerstehenden Bürogebäuden in Wohnräume. Es wurden zwischenzeitlich geeignete Wohnungstypologien in maschinenlesbare Grammatiken übersetzt. Dies ermöglichte die Entwicklung einer Computerprogrammes, das eine Vielzahl unterschiedlicher Wohnungsgrundrisse auf der Grundlage von vordefinierten Regeln in Bezug auf Flächen, Zugänglichkeit, Wohnungstypen etc. generieren kann. Im Rahmen des Stegreifs (Inhabiting) Unplanned Plans analysieren und testen wir kritisch die Bewohnbarkeit dieser computergenerierten Wohnungen. Können wir die maschinell generierten Grundrisse zu bewohnbaren Räumen verfeinern? Wo liegen die Grenzen der Software, und wo müssen wir noch räumlich eingreifen? Das Ergebnis dieses Stegreifs wird eine Serie detailliert möblierter Grundrisse sein, die sowohl das Potenzial als auch die Grenzen der softwaregenerierten Grundrisse aufzeigen.
Ausgabe: Mittwoch 29.07.2026
Präsentation: Freitag 21.08.2026